Panda Bear - Person Pitch [Paw Tracks / Cargo]
Es mag vielleicht etwas übertrieben sein, von einer fortschreitenden Popularisierung experimenteller Musik zu sprechen. Aber die Aufmerksamkeit, die besonders Acts wie Black Dice oder Animal Collective vonseiten der Popmedien in den letzten Monaten entgegengebracht wurde, war doch schon erstaunlich breit. Das lag vor allem an den kreativen und farbenfrohen Klangbildern, die diese Künstler zu schaffen in der Lage waren. Scharfe, dissonante und krachige Musik bildete nur einen Rahmen für viele kleine, fein ziselierte Sounds, die sich auch den Pophörern mit Forschungsinteresse erschlossen. In diesem Kosmos war Panda Bear, obwohl ein Seitenprojekt des Animal Collective-Mitgliedes Noah Lennox, schon immer viel mehr als nur das. Nämlich sozusagen die Folk-Spielwiese, auf der alles viel wärmer, viel naturalistischer und buchstäblich verspielter zuging, ohne in poppige Songstrukturen abzugleiten. Nichtsdestotrotz ist die Stilistik dieses Projekts ungemein breit angelegt. Denn während das Vorgängeralbum „Young Prayer“ vor allem leise, leicht und fragmentarisch klang, ist „Person Pitch“, das neue Werk, vielschichtiger und offener. Lennox scheint erstmals vorbehaltlos alles zugelassen zu haben, was ihm in den letzten Monaten zu Ohren kam, egal ob Psychedelik oder Kraut, Mantras oder Gospelgesänge, atemlose repetitive Musik, afrikanische Folklore oder Mönchschöre. Er hat unglaublich kreativ mit Aufnahmetechniken und Fieldrecordings hantiert, wodurch die Platte einen Kosmos erhalten hat, gegen den die allermeisten zeitgenössischen (Pop-)platten geradezu eindimensional wirken. Es würde den Rahmen sprengen, all die Verweise und Eindrücke dieser Platte auch nur zu nennen. Sicher ist, dass die meisten von ihnen nicht bloß rein zitathaft funktionieren. Stattdessen kreiert Panda Bear mit ihnen wunderliche, faszinierende Welten, die oftmals so schön sind, dass sie jegliche Realität toppen. Passend dazu hat Panda Bear ein Booklet voller durch und durch surrealer Bilder zusammengestellt, und mit den in seiner umfangreichen Dankesliste genannten Künstlern quasi die grob gefassten Eckpunkte seiner musikalischen Einflüsse offen gelegt.
Oft heißt es, dass ein bestimmtes Album, eine bestimmte Musik, eine Art Reise vertont. Im vorliegenden Fall ist das wirklich richtig. „Person Pitch“ ist eine faszinierende Reise durch surreale wie reale Welten, das Album vertont den Bilderreichtum von Gedankenwelten wie auch von real existierenden Welten. Welten, die sich dem durchschnittlichen Westeuropäer nicht ohne weiteres erschließen. Das ist ungemein erregend, erzielt aber auch dieses altbekannte Gefühl vom sich in einer nicht zu fassenden Umwelt verlierenden kleinen Individuum. Lennox, ganz Menschenfreund, hebelt diese unangenehme Begleiterscheinung mit dem wunderschön warmem und harmonischen „Search For Delicious“ als abschließenden Song aus. Nicht nur dadurch ist „Person Pitch“ ein experimentelles Album mit unwahrscheinlicher Anziehungskraft auch für Leute, die vornehmlich einen emotionalen Zugang zu Musik wählen. Und genau dieser Spagat zwischen den immer noch nicht ganz einfach zu vereinbarenden Welten U- und E-Musik eine weitere große Leistung dieser Platte. Neben, und das sei nochmals betont, schlicht großartiger Musik.
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Panda Bear bei Myspace
Datum: 14.03.2007, 01:17 Uhr
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