Daniel Benjamin - There's A Deathbed For Your Monster [Haldern Pop / Cargo]

Hm, wie man doch leicht beeinflussbar von visuellen Reizen ist. Beim Cover von „There’s A Deathbed For Your Monster“ von Daniel Benjamin neigt man dazu, an mediokren Croonerpop zu denken und sich nicht unskeptisch dem Hörbaren zu nähern. Wäre nicht, ja wäre da nicht der Stempel Haldern Pop Recordings auf der CD, wo gewohnheitsgemäß einfach kein Schund erscheint. Und so ist es tatsächlich auch in diesem Fall nicht. Denn auch wenn die Platte mit „Give & Take“ nicht besonders spannend beginnt, offenbart sich ihre Klasse je weiter die Spieldauer voranschreitet. Ihre Klasse, und auch ihre Vielseitigkeit. Denn Daniel Benjamin spult keineswegs ein Schema F herunter, kümmert sich vielmehr um so ziemlich sämtliche Spielarten des ambitionierten Songwriterpop. Der teilweise zweistimmige Gesang (Freundin Eleni Stavros mischte mit) schmeichelt den Ohren; da schleicht es sich mal folkig-verspukt an, dann wieder dräuend düster, dann verjazzt und fast easy listening und nebenbei auch noch rockig und treibend. Dabei folgt kein Song einer bestimmten Richtung dem anderen, ähnlich klingenden, was „Deathbed“ zu einer sehr heterogenen Platte macht und auch die Spannung über die volle Breite aufrecht erhält. Natürlich, und das sei an dieser Stelle zugegeben, ist die Musik von Daniel Benjamin zu keinem Zeitpunkt anstrengend. Das Album ist zum Hören im Hintergrund genauso gut geeignet wie zum gepflegten Sonntag-Nachmittags-Sofa-Chillout, und warum mit geflügelten und schönen Worten über die emotionale Palette um sich werfen, wenn keine hörbar da ist? Das ist vielleicht das einzige, was der Platte vorgeworfen werden könnte, was aber der Tatsache, dass das hier eine schöne, abwechselungsreiche, gleichsam intro- und extrovertierte Indiepopplatte ist, der man ruhig mal ein Ohr schenken darf.

Text: Kristof Beuthner

Links zum Thema:
Daniel Benjamin bei Myspace


Datum: 29.07.2010, 18:19 Uhr

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